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» "Ich spiele gegen die Besten der Welt"


09.08.2008 Hildebrand schöpft wieder Hoffnung

Timo Hildebrand scheint in Sachen Nationalelf doch wieder Morgenluft zu wittern. Nachdem Jens Lehmann am Freitag seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte, und Bundestrainer Joachim Löw der einstigen Nummer 2 wieder Hoffnung machte, ließ Hildebrand in einem Interview ein Comeback wieder offen.


Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Montag-Ausgabe) sagte er auf die Frage, was er seinen Konkurrenten Robert Enke und Rene Adler voraus habe: "Turniererfahrung, internationale Spiele und Titel. Ich spiele mit Valencia gegen die Besten der Welt", so der 29-Jährige.

Der Keeper des spanischen Pokalsiegers FC Valencia war von Bundestrainer Joachim Löw und Bundesttorwarttrainer Andreas Köpke überraschend nicht in das 23-köpfige EM-Aufgebot berufen worden. Zuletzt hatte Löw dem ehemaligen Stuttgarter aber wieder Hoffnungen auf ein Coemback in der Nationalmannschaft gemacht: "Er hat sogar wieder sehr gute Chancen. Denn er zählt zu den besten deutschen Torhütern", hatte Löw in der vergangenen Woche erklärt.

Löw will in Kürze das angekündigte Gespräch mit Hildebrand über dessen Aussortierung vor der EM führen. Zu seinen früheren Äußerungen für eine schnelle Aussprache sagte Hildebrand: "Natürlich hätte ich mir ein Gespräch gleich nach der Entscheidung gewünscht. Aber mit etwas Abstand kann ich jetzt sagen: Das wäre von meiner Seite zu emotional abgelaufen. Die Aussprache wird aber stattfinden."

Einem neuen Konkurrenzkampf um einen Platz für die WM 2010 in Südafrika will sich der Torhüter aber nur stellen, "wenn es dabei fair und offen zugeht."

Der bisherige Stammkeeper Jens Lehmann hatte am Freitag seinen Rücktritt aus der DFB-Auswahl erklärt. Als Favorit auf die Nachfolge gilt nach dem zuletzt vom Bundestrainer angekündigten Generationswechsel derzeit der Leverkusener Adler.


Quelle: msn-sport

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» "Hätte ich öfter mal ein Arsch sein müssen?"

24.05.2008

Er ist der große Verlierer im Vorfeld der EM: Timo Hildebrand muss bei der Endrunde in Österreich und der Schweiz zuschauen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht der Torwart über seine Ausbootung und beklagt fehlende Offenheit und Mut von Bundestrainer Joachim Löw.

SPIEGEL ONLINE: Warum gehören Sie nicht zum Kader der Europameisterschaft?

Hildebrand: Torwarttrainer Andreas Köpke hat mir am Telefon mitgeteilt, dass unter anderem meine Leistungen in den bisherigen Länderspielen nicht überzeugend genug waren.

SPIEGEL ONLINE: Und was denken Sie?

Hildebrand: Dass es in dieser Angelegenheit an Offenheit fehlt und an Mut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Das fängt schon bei der Art und Weise an, wie die Trainer mir die Nachricht überbracht haben.

SPIEGEL ONLINE: Wie denn?

Hildebrand:
Wenige Stunden vor Bekanntgabe des Kaders (mehr...) am Freitag der vergangenen Woche hat Andy Köpke mich angerufen und Jogi Löw entschuldigt, da er gerade im Flieger sitze und deshalb nicht mit mir telefonieren könne. Was ist das denn für eine Art? Als Köpke mir die Entscheidung mitgeteilt hat, war ich zuerst so geschockt, dass ich nichts mehr sagen konnte und wieder aufgelegt habe. Ich habe dann wenig später wieder angerufen, um die Gründe zu erfahren. Da kam dann die Sache mit den Länderspielen als Grund. Ich hatte gerade mal vier Länderspieleinsätze in den letzten beiden Jahren. Mein schlechtestes ist eineinhalb Jahre her, gegen Zypern. Da war die ganze Mannschaft nicht gut. Das kann nicht der Grund sein, warum ich nicht dabei bin. Und ich frage mich: Warum ist ein Spieler, der vier Jahre zum Stammkader der Nationalmannschaft zählt, am Tag der Nominierung plötzlich nicht mehr gut genug? Oder haben die mich vorher nur mitgenommen, weil sie dachten, ich halte still?

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie mittlerweile die Möglichkeit, dem Bundestrainer diese Frage zu stellen?

Hildebrand: Nein. Er hat mich am Montagabend kurz angerufen und mitgeteilt, dass wir uns nach der EM treffen und über die exakten Gründe sprechen sollten.

SPIEGEL ONLINE: Wie fühlen Sie sich jetzt?

Hildebrand: Wütend.

SPIEGEL ONLINE: Ausgenutzt?

Hildebrand: Wie würden Sie sich denn fühlen?

SPIEGEL ONLINE: Sepp Maier hat schon vor Jahren kritisiert, dass Sie Freistöße aus rund 20 Metern Entfernung falsch einschätzen.

Hildebrand: Das war am Anfang meiner Karriere.

SPIEGEL ONLINE: Spätestens ab dem Viertelfinale einer Europameisterschaft entstehen die meisten Torschüsse aus solchen Standardsituationen. Ist das der Grund, warum Jogi Löw Ihnen kein großes Turnier als Nummer eins zutraut?

Hildebrand: Solche Fehler habe ich in meinem ersten Jahr in Stuttgart gemacht. Erst kürzlich habe ich ein Spiel vom AC Mailand gesehen, in dem Kalac einen Treffer im Torwarteck kassierte. Das passiert immer wieder. Mich auf solche Fehler festzunageln, ist lächerlich. Apropos, da fällt mir ein, was Jogi Löw noch zu mir gesagt hat ...

SPIEGEL ONLINE: .. dass Sie auf Abruf bereit stehen sollen, falls sich einer der drei Nominierten verletzt?

Hildebrand: Nein. Er hat mich für meine professionelle Art gelobt. Dafür, dass ich immer an mir arbeite und mich anständig verhalten habe im Kreise der Nationalmannschaft.

SPIEGEL ONLINE: Dann hätten Sie wohl einfach ...

Hildebrand: ... öfter mal ein Arsch sein müssen etwa?

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie nicht längst geahnt, dass es knapp werden würde?

Hildebrand: Dass Hansi Flick und Andy Köpke in der letzten Saison nur ein einziges Mal in Valencia waren, um mich live spielen zu sehen, habe ich mir damit erklärt, dass sie eben wissen, wie ich drauf bin. Sie sind ja auch nicht ständig nach London geflogen und Jens Lehmann spielt trotzdem. Vielleicht habe ich zu sehr dem Leistungsprinzip vertraut.

SPIEGEL ONLINE: Waren Sie ein bisschen zu naiv?

Hildebrand: Es gab ein Gespräch mit Andy Köpke letztes Jahr in Berlin. Er sagte, ich solle die Nummer eins mehr unter Druck setzen, mehr Konkurrent sein, mehr angreifen, mehr fordern. So steht es auch in meinem EM-Leitfaden, der bei einem Workshop im Sommer 2007 verteilt wurde.

SPIEGEL ONLINE: Sie sollten Jens Lehmann öffentlich angreifen?

Hildebrand: Wissen Sie, in der Nationalmannschaft werden so viele Dinge eingefordert. Vor allem soziale Kompetenz, Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Teamgeist. Aber gleichzeitig muss man wohl auch Lautsprecher in den Medien sein, um den Eindruck zu erwecken, man sei eine wirkliche Nummer 1.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie das nicht einfach gemacht?

Hildebrand: Weil das nicht meine Art ist. Aber vielleicht haben Sie recht und ich war wirklich in dieser Hinsicht zu naiv.

SPIEGEL ONLINE: Wie oft haben Sie intern gefordert, die Nummer eins sein zu wollen?

Hildebrand: Zeigt sich das denn nicht hauptsächlich im Training? Im Spiel? An der Leistung unter Druck? Daran will ich gemessen werden. Nicht daran, ob ich, oder was ich für ein Typ bin.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie ein Image-Problem?

Hildebrand: Ach, es gibt so viel Druck in diesem Geschäft, du bist ständig mit dir selbst beschäftigt. Da bleibt doch gar keine Zeit, sich ständig ums Image zu kümmern. Und was heißt schon Image? Mein Anspruch war immer, Titel zu gewinnen und in der Nationalmannschaft die Nummer eins zu sein. Da bleibt privat verdammt viel auf der Strecke. Wenn du dich dann noch ganz von deinem eigentlichen Charakter verabschiedest, kannst du weder über Dauer Leistung bringen noch wirst du glücklich. Das ist der große Konflikt im Profi-Geschäft: Entweder man macht das ganze Trallala mit, oder man bleibt sich selbst treu. Manche gehen daran zu Grunde, manche halten es durch.

SPIEGEL ONLINE: Jogi Löw betont die positive persönliche Ausstrahlung René Adlers. Sie wirken in der Öffentlichkeit oft kühl, distanziert, manchmal ein bisschen arrogant ...
Hildebrand: ... wer mich kennt, behauptet etwas anderes. Vielleicht wirke ich ein bisschen schüchtern, aber arrogant bin ich definitiv nicht.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie also nicht im Kader, weil es ein zwischenmenschliches Problem zwischen Ihnen und den Trainern gibt?

Hildebrand: Glauben Sie, das wird Ihnen jemand so sagen? Glauben Sie, einer würde wagen, zu sagen: 'Hören Sie mal, wir mögen den Timo nicht, deshalb packt der es nicht, die Nummer eins zu sein? Nein, das ist reine Interpretation.

SPIEGEL ONLINE: Sie könnten den Eindruck gewonnen haben ...

Hildebrand: Ach was.

SPIEGEL ONLINE: Hat die Entscheidung in Wahrheit also nichts mit Ihrer Qualität zu tun?

Hildebrand: Nach welchen Leistungsprinzipien werden Nationalspieler denn ausgewählt? Es muss doch einen Maßstab geben oder nicht? Das vermitteln Sie doch ständig. Ich bin ins Ausland gegangen, wollte mich der internationalen Konkurrenz stellen. Ich habe mich in der Winterpause entschieden, diesen Schritt nach zwölf Jahren Stuttgart zu gehen. Damals wusste noch keiner, dass wir mit dem VfB Meister werden. Übrigens haben Jogi Löw und Andy Köpke mir dazu geraten. Sie sagten: Mach das, das bringt dich in allem weiter. Und sie hatten recht, es hat mich weitergebracht. Eben nur nicht in der Nationalmannschaft. Glauben Sie mir, das letzte Jahr war der Hammer. Kein Mensch in Deutschland, auch kein Journalist, kann das beurteilen. Weil alle nur abgeschrieben haben. Einen Tag hieß es, Hildebrand spielt super, dann hieß es, Hildebrand spielt unterirdisch. Dass die Bedingungen im Club extrem schwierig waren interessiert nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wären Sie im EM-Kader, wenn Sie beim VfB Stuttgart geblieben wären?

Hildebrand: Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Es hätte wohl mehr Aufmerksamkeit gegeben, gut möglich.

SPIEGEL ONLINE: Wechseln Sie im Sommer zurück zum VfB?

Hildebrand: Ich habe gelernt: Im Fußball ist alles möglich. Aber eigentlich bin ich längst noch nicht fertig in Valencia.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es schon Kontakt zum VfB?

Hildebrand: Nein.

SPIEGEL ONLINE: Warum glauben Sie, der wahre Nachfolger von Jens Lehmann zu sein?

Hildebrand: Nach welchen Kriterien entscheiden wir jetzt?

SPIEGEL ONLINE: Nach Ihren persönlichen.

Hildebrand: Ich bin ins Ausland gegangen, habe hier eine Ikone vom Thron gestürzt, das hat im vergangenen Jahr kein anderer Torwart gemacht. Und ich habe einen Titel geholt, bin hier die Nummer eins. Das sind meine Kriterien.

SPIEGEL ONLINE: Wären Sie unter Jürgen Klinsmann noch dabei?

Hildebrand: Zumindest wäre unter Klinsmann nicht schon vor der Nominierung rausgekommen, dass ich nicht dabei bin. Genau das macht Jürgen in meinen Augen aus. Er lässt sich auf keine politischen Spielchen ein. Er hat seinen Plan und zieht ihn ohne Kompromisse durch.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es jetzt weiter? Ist das Thema Nationalmannschaft für Sie beendet?

Hildebrand: Löw sagte, in dem Gespräch nach der EM werden wir über die Perspektiven reden. Es ist immer noch mein Traum, die Nummer eins zu sein. Ich werde nicht aufhören, dafür zu kämpfen.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie diesem Trainerteam überhaupt noch mal vertrauen?

Hildebrand: Tja. Ich muss oft darüber nachdenken, was es wohl für ein Gefühl sein würde, Andy Köpke wieder gegenüber zu stehen. Aber Kevin Kuranyi hat das ja auch gepackt.

SPIEGEL ONLINE: Motiviert es Sie, dass Jens Lehmann auch erst mit 36 Jahren die Nummer eins wurde?

Hildebrand: Darüber denke ich im Moment nicht wirklich nach. Trotzdem ist es nicht meine Art, einfach alles hinschmeißen zu wollen. Ich bin ein Kämpfer. Ich fahre jetzt erst mal zur Hochzeit eines Freundes nach Irland und anschließend zu meiner Familie.

Quelle: Spiegel.de

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» "Ich gebe alles, um bei der EM im Tor zu stehen"

Seine erste Saison in Spanien scheint für Timo Hildebrand doch noch ein versöhnliches Ende zu nehmen. Der Torhüter gewann mit dem FC Valencia durch einen 3:1-Erfolg über den FC Getafe den spanischen Pokal. Mit WELT ONLINE spricht der 29-Jährige über den Triumph, den Abstiegskampf und die EM.

WELT ONLINE: Herzlichen Glückwunsch zum Titelgewinn! Ihre Paraden werden in Spanien als Schlüssel zum Erfolg gesehen.
Timo Hildebrand: Das war ein schwieriges Spiel für einen Torwart. Nicht wie im Halbfinale gegen den FC Barcelona, als ich so richtig warm geschossen wurde und um die tausend Schüsse parieren musste. Gegen Getafe bekam ich kaum etwas zu tun. Aber kurz vor Schluss habe ich einen Kopfball aus dem Dreieck geholt. Wenn der reingeht, steht es 2:2. Und wer weiß, wie das Spiel dann ausgeht.

WELT ONLINE: Die Feierlichkeiten hielten sich dennoch in Grenzen. Ihre Mannschaft muss am Sonntag zu dem wichtigen Spiel bei Athletic Bilbao antreten.
Hildebrand: Dass ein Klub wie Valencia nur fünf Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt ist, darf nicht sein. Das ist Wahnsinn. Deshalb gab es nach dem Sieg auch nur ein Bankett und einen Kurzbesuch in der Disko.

WELT ONLINE: Schaffen Sie mit ihrem Team dennoch den Klassenverbleib?
Hildebrand: Das müssen wir. Bislang lief die Saison unheimlich schlecht, es war ein ständiges Auf und Ab, unsere Fans mussten sehr viel leiden. Der Pokalsieg war Pflicht, schon weil wir so international wieder dabei sind. Und wenn wir in den restlichen Punktspielen so auftreten wie im Pokalfinale, mache ich mir um den Klassenerhalt auch keine Sorgen.

WELT ONLINE: Wird der Trainer denn bleiben? Der Niederländer Ronald Koeman steht stark in der Kritik und angeblich kurz vor dem Rauswurf.

Hildebrand:
Ich kann natürlich nicht beurteilen, ob er im Amt bleibt. Wir müssen abwarten, ob die Kritik an ihm nun abreißt.

WELT ONLINE: Das könnte angesichts des Wankelmuts der Spanier durchaus passieren. Auch wenn Ihre Leistungen beurteilt werden, heißt es entweder „Der ist ein ganz Großer“ oder „Der kann gar nichts“.
Hildebrand: Hier ist tatsächlich alles noch viel mehr schwarz und weiß als in Deutschland. Gerade die Kritik ist sehr viel heftiger. Ich habe es da, glaube ich, besonders schwer, weil ich der Nachfolger von Santiago Canizares bin. Der hat hier über viele Jahre gespielt und war ein Held. Meine Leistungen werden da umso kritischer gesehen.

WELT ONLINE: Dann urteilen Sie doch mal ganz nüchtern: Wie läuft Ihre Saison?
Hildebrand: Irgendwo in der Mitte dieser Kritiken. Sicherlich habe ich ein paar Fehler gemacht und gerade in der Hinrunde nicht immer gespielt. Jetzt stehe ich aber fest im Tor und habe auch im Pokal einige wirklich gute Spiele gemacht. Außerdem habe ich gleich im ersten Jahr einen Titel geholt – das schafft nicht jeder Spieler auf Anhieb, wenn er ins Ausland geht.

WELT ONLINE:
Zudem sind Sie der einzige deutsche Torwart aus dem EM-Anwärterkreis, der in dieser Saison einen Titel holt. Gehen Sie nun davon aus, dass Sie dabei sind?
Hildebrand:
Ich denke, dass ich auf jeden Fall bei der Europameisterschaft (7. bis 29. Juni in Österreich und der Schweiz – d.R.) dabei bin. Die Vorzeichen stehen gut: Ich bin seit 2004 fest bei der Nationalmannschaft und habe vom Bundestrainer bislang nichts Gegenteiliges gehört. Jeder weiß doch, dass es schwierig ist, sich im ersten Auslandsjahr zu akklimatisieren.

WELT ONLINE: Dennoch hat Joachim Löw die Tür für Rene Adler von Bayer Leverkusen aufgemacht. Verstehen Sie das?
Hildebrand: Warum nicht? Adler ist ein sehr guter, junger Torwart. Er spielt eine Supersaison. Ich jedenfalls werde alles geben, um bei der EM dabei zu sein und auch im Tor zu stehen. Zunächst einmal müssen wir mit Valencia aber möglichst schnell den Abstieg vermeiden.

Quelle: welt.de

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» Torwart-Frage 2.0

3:0 gegen Österreich gewonnen, aber Torwart Jens Lehmann hat wegen seiner Patzer ein Problem: Er ist jetzt umstritten. Deutschland diskutiert, ob er bei der EM ins Tor soll. Jens Lehmann ist ein kluger Taktiker. Darum gab der Torhüter der deutschen Nationalmannschaft nach dem 3:0-Sieg am Mittwochabend gegen Österreich ganz unumwunden zu: "Ich habe einen Fehler gemacht, zweifelsfrei." Er meinte die Szene in der 22. Minute, als er in gewohnter Manier weit aus seinem Tor lief und gegen Sebastian Prödl eine gefühlte halbe Stunde zu spät kam.

"Ich dachte, der Ball springt weiter weg", sagte Lehmann, der auch ein Meister des Herausredens ist, und führte die Beschaffenheit des Rasens als Grund für seinen Irrtum an. Außerdem spiele er eben sehr risikoreich. "Da kriegt man nicht jeden Ball", sagte er schon wieder leicht patzig, "das ist eben leider so."

Ungefähr so hatte er auch seine Patzer zu Saisonbeginn im Tor des FC Arsenal erklärt, was nicht verhinderte, dass er seinen Platz als Nummer eins in London an Manuel Almunia verlor. Lehmanns Vorgesetztem Joachim Löw war das Thema sichtlich unangenehm, er musste jedoch einräumen: "Da ist er zu früh rausgekommen."

Die neue Torwartdebatte passte dem Bundestrainer nicht, er hatte schon genug Sorgen nach der insgesamt katastrophalen Vorstellung in Wien, die keiner so perfekt symbolisierte wie Lehmann. Der beging keineswegs nur einen Fehler, wie er suggerierte, und es waren auch nicht "einige Unsicherheiten", wie Löw verniedlichte, sondern vier kapitale Schnitzer.

Nach den zuletzt guten Leistungen im Nationalteam und vier Tage nach seinem ersten Premier-League-Match seit August - beim 3:0 gegen Manchester City, wo er den leicht am Daumen verletzten Almunia vertreten durfte - verblüffte Lehmanns Fehlerhäufung und stürzte Löw in Erklärungsnot. Der Bundestrainer hatte zuvor die vor der EM im Juni noch anstehenden Länderspiele als Maßstab dafür ausgegeben, ob Lehmann die Nummer eins im deutschen Tor bleiben könne, auch wenn er im Verein kaum spiele.

"Jens Lehmann hat in den letzten Spielen gezeigt, dass er nach wie vor in der Lage ist, Nervenstärke zu zeigen und Ruhe auszustrahlen", sagte Löw nach der Partie in Wien. Das aber legt einen fatalen Schluss nahe. Wenn es nicht Nerven oder fehlende Spielpraxis waren, die ihm einen Streich spielten, handelt es sich wohl um ganz normale Alterserscheinungen eines 38-jährigen Torwarts. Arsenal-Coach Arsène Wenger, dem immer noch vorgeworfen wird, dass er einst zu lange am alternden Nationalkeeper David Seaman festhielt, sieht das offenbar ähnlich, sonst hätte er nicht nach zwei Lehmann-Fehlern Almunia befördert.

Lehmann selbst führte den Mangel an Konzentration, der nicht nur ihn, sondern das ganze Team erfasst hatte, eher auf den mangelnden Wettkampfcharakter der Partie zurück: "Ich habe lieber die Spiele, wo der Druck richtig groß ist und man sich keinen Fehler erlauben darf." Dumm nur, dass es die für ihn bis zur EM kaum geben wird.

Bemerkenswert war die Variabilität seiner Aussetzer. Gleich nach dem verunglückten Ausflug, den Per Mertesacker gerade noch ausbügelte, griff Lehmann in schneller Folge an zwei Eckbällen vorbei und ließ Emanuel Pogatetz und Martin Harnik jeweils zum Kopfball kommen. "Normalerweise hat er da die Lufthoheit", staunte Löw. "Die Österreicher haben die Standardsituationen gut gespielt", war Lehmanns eigenwillige Sicht der Dinge.

In Halbzeit zwei ließ er dann kurz nach dem Führungstreffer einen harmlosen Schuss genau vor die Füße von Roland Linz prallen. Ähnliches war ihm schon letztes Jahr bei seinen ansonsten hervorragenden Länderspielen in England und Irland unterlaufen - was auch Lehmanns patzige Frage nach dem Spiel beantwortet: "Wann habe ich denn den letzten Fehler gemacht im DFB-Team?" Ein kurzes Gedächtnis ist sicher hilfreich für einen Torwart, ein Trainer kann sich das aber nicht leisten. Löw muss nun doch wieder die Debatte führen, die er fast schon beendet wähnte. Bei der Europameisterschaft braucht er einen tadellosen Keeper, doch zur Beurteilung der Frage, ob Lehmann das noch sein kann, gibt es nicht mehr viele Gelegenheiten, solange der 38-Jährige bei Arsenal auf der Bank sitzt. Und in den wenigen Länderspielen bis zur EM müsste Löw theoretisch, solange die Torwartfrage offen ist, auch den anderen Kandidaten wie Timo Hildebrand oder Robert Enke Einsatzzeit geben. "Wir können damit umgehen", versicherte Löw in Wien etwas gequält. Wahrscheinlich sind ihm die Debatten vor der WM 2006 in Deutschland, um Lehmann und Oliver Kahn, noch gut im Gedächtnis geblieben - T-Frage 2.0.

Lehmann aber war da längst wieder ganz er selbst: "Wenn Deutschland nichts anderes zu diskutieren hat - ich kann damit leben." Das wird er wohl auch müssen.


Quelle: FTD.de - 08.02.2008

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» 3:1 im Test gegen Rumänien3:1 im Test gegen Rumänien
BRD-RUM
Schwacher Start, tolles Finale dank Odonkor und Podolski


13. September 2007 Auch mit der zweiten Garnitur hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihren Siegeszug in der EM-Saison fortgesetzt. Nach den Auswärtserfolgen in England (2:1) und Wales (2:0) gewann das Team von Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch in Köln auch gegen Rumänien mit 3:1 (1:1) und fügte dem möglichen Gegner bei der Europameisterschaft die erste Niederlage seit 14 Spielen zu.

Nach dem frühen Rückstand durch Dorin Goian (3.) sorgten Kapitän Bernd Schneider mit seinem ersten Kopfball-Tor im 80. Länderspiel, „Joker“ David Odonkor (65.) und Lokalmatador Lukas Podolski (82.) für den ersten deutschen Sieg gegen Rumänien seit 23 Jahren. Zugleich gelang die Revanche für das blamable 1:5 vor dreieinhalb Jahren.

„In der Pause haben wir überlegt, wie kann man die Mannschaft wachrütteln. Dann hat sie kämpferisch und läuferisch unheimlich zugelegt und Charakter bewiesen“, lobte Löw sein Team für die Steigerung in der zweiten Halbzeit. „Ich habe schon viel mit Köpfchen gemacht, aber ein Kopfball-Tor ist mir bisher noch nicht gelungen“,sagte Schneider. „Wie wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben, können wir stolz sein.“ Podolski freute sich ganz besonders über seinen Treffer vor heimischem Publikum: „Auf dieser Leistung kann ich aufbauen.“

Lenker im Mittelfeld fehlte

Anders als beim 0:1 gegen Dänemark vor sechs Monaten glückte das Experiment von Löw, in einem Testspiel mehrere Stammspieler zu schonen und die zweite Besetzung ins Rennen zu schicken. Dennoch wurde einen Monat vor dem nächsten EM-Ernstfall in Dublin gegen Irland deutlich, dass im sechsten Länderspiel in Folge ohne Michael Ballack ein Lenker im Mittelfeld fehlte. Bastian Schweinsteiger konnte gegen die ballsicheren und zweikampfstarken Rumänen nicht an seine Gala von Cardiff anknüpfen und das Angriffsspiel ordnen.

Der nach seiner Sperre zurückgekehrte Schneider konnte ebensowenig Impulse setzen wie Piotr Trochowski. Der Spielfreude eines Adrian Mutu hatte aber auch Thomas Hitzlsperger wenig entgegenzusetzen, obwohl der Stuttgarter bis zu seiner Auswechslung zur Pause noch am eifrigsten bemüht war, Linie in die deutschen Aktionen zu bringen und auch immer wieder mit Distanzschüssen sein Glück versuchte.

Undankbare Aufgabe für Hildebrand

Das „Kölner“ Sturmduo mit Podolski und Patrick Helmes fand vor heimischer Kulisse nicht wie erhofft ins Spiel. Vor allem Podolski war die fehlende Spielpraxis deutlich anzumerken. In seinen besten Szenen scheiterte der Münchner am glänzend reagierenden Torhüter Danut Dumitru Coman (26./49.). Dennoch gab es von den Teamkollegen immer wieder aufmunternde Worte für „Poldi“, der am Ende doch noch traf. Helmes fehlt bei allem Talent noch die internationale Reife. In dieser Verfassung scheinen beide nicht imstande, das Stamm-Duo Kevin Kuranyi und Miroslav Klose gleichwertig zu ersetzen.

Lehmann-Vertreter Timo Hildebrand hatte hinter einer lange Zeit unsortierten Abwehr eine undankbare Aufgabe zu verrichten und hielt, was zu halten war. Denn auch ohne ihren Regisseur Dorinel Munteanu - der 39-jährige Ex-Kölner kam erst in der 63. Minute aufs Feld - zeigten die Rumänen die reifere Spielanlage und stellten die deutsche Verteidigung mit schnellen Pässen in die Spitze vor manche Probleme. Allen voran Mutu war von der deutschen Defensive mit Christoph Metzelder als Schwachstelle kaum unter Kontrolle zu bringen. Allerdings stellten die Rumänen im zweiten Durchgang den Spielbetrieb fast völlig ein.

Podolski lässt Köln jubeln


Die durch die Kölner Kultband „Höhner“ zusätzlich angeheizte Stimmung im Stadion erhielt schon nach drei Minuten einen Dämpfer. Als Mutu eine Freistoßflanke in den Strafraum schlug, standen plötzlich drei Rumänen frei vor dem deutschen Tor und Goian hatte keine Mühe, Hildebrand aus drei Metern zu überwinden. Nicht nur in dieser Szene ließ die Hintermannschaft die Zuordnung vermissen. Gegen den Stuttgarter Ciprian Marica (12./22.) musste Hildebrand erneut auf der Hut sein. Als schon erste Pfiffe von den Rängen ertönten, rettete Schneider die Stimmung, indem er die Flanke von Schweinsteiger mit der Stirn zum Ausgleich verwandelte.

Für den Leverkusener war es das erste Länderspiel-Tor mit dem Kopf.Ungeachtet des Spielstandes setzte Löw nach Wiederbeginn seine Experimente fort und machte das Team mit den Einwechslungen von Arne Friedrich, Simon Rolfes, Gonzalo Castro und David Odonkor nach und nach praktisch zu einer B-Elf. Doch anders als im März bei der bisher einzigen Niederlage unter Löw (0:1 gegen

Dänemark) raffte sich das Team noch einmal auf und wurde durch Odonkors Einzelleistung belohnt.Der Ex-Dortmunder profitierte beim 2:1 zudem auch von einem kapitalen Fehler von Torhüter Coman. Helmes (73.) vergab frei vor Coman einen noch höheren Erfolg. Am Ende hatten die Kölner Fans doch noch Grund zum Jubel, als Podolski in seinem 40. Länderspiel zum 23. Mal ins Schwarze traf.

Quelle: faz.net

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